Miriam ist von Haus aus eine eher ruhige/introvertierte und sensible Person. Als sie sieben Jahre alt war, erkrankte ihr jüngerer Bruder an Krebs. Da blieb kaum Zeit für ihre Bedürfnisse. Jede freie Minute waren die Eltern im Krankenhaus. Sie versuchte, ihre Eltern, so gut es ging, zu unterstützen, indem sie mehr Aufgaben im Haushalt übernahm. Ihre Unsicherheit und das Gefühl, allein zu sein, verbarg sie so gut es ging, um ihren Eltern nicht noch zusätzlich Sorgen zu bereiten. Ihr Bruder wurde wieder gesund, aber die Ehe der Eltern hielt der Belastung nicht stand, und nach einer Phase, in denen die elterlichen Sorgen Streitigkeiten wichen, trennten sie sich, als Miriam neun Jahre alt war. Ab da übernahm sie noch mehr Verantwortung im Haushalt und auch für ihren Bruder, denn ihre Mutter arbeitete viel, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Auch heute noch macht Miriam ihre Gefühle meist mit sich aus und stellt ihre Bedürfnisse eher hinter die der Anderen.
In letzter Zeit geht es ihr nicht gut. Sie hat Kopfschmerzen, fühlt sich angespannt und überfordert. Zu allem Übel melden sich auch ihre Magen-Darm-Probleme wieder. In ihrem Kopf wirbeln 1000 Gedanken, und sich zu konzentrieren ist auch irgendwie schwierig. Immer wieder spürt sie, dass ihr Herz doll klopft. Das alles macht ihr Angst, und die Stimmung leidet.
Und das auch noch gerade jetzt. Die Hochzeit mit Markus, ihrer Pilgerliebe, ist in 14 Tagen, und es stehen noch Lastminute-Aufgaben an. Nach dem Umzug in die neue Wohnung sind noch Möbel aufzubauen, Kisten auszupacken und Anmeldungen zu erledigen. Markus ist gerade noch auf Geschäftsreise und kommt erst am Sonntag wieder. Das heißt, dass sie sich, wie so oft, seitdem sich Markus selbstständig gemacht hat, um alles selbst kümmern muss.
Weil gerade so viel los ist, schafft es Miriam nicht zum Treffen mit ihrer besten Freundin, und sie sagt zum 3. Mal ab. Als ihre Freundin daraufhin sauer reagiert, zieht sich Miriam in sich zurück.
Miriam bekommt nachts kaum noch ein Auge zu, weil ihr alle Dinge durch den Kopf gehen, und sie versucht, Ordnung in das Chaos zu bekommen.
Symptome
Kopfschmerzen, angespannt, überfordert, Magen-Darm-Probleme, 1000 Gedanken, Konzentrationsschwierigkeiten, Herzklopfen, Angst, gedrückte Stimmung
Innere Faktoren
- Genetik: sensibel reagierendes Stresssystem (siehe Säbelzahntiger)
chronische Erkrankungen: keine
Temperament/Charakter: introvertiert, sensibel
frühere (kritische) Lebensereignisse/Traumata: Krebserkrankung des Bruders in Miriams 7. Lebensjahr. Trennung der Eltern im 9. LJ.
Lernerfahrung durch Eltern/Bezugspersonen als Modelle: sich zurücknehmen und Bedürfnisse hinten anstellen, um Eltern keine zusätzlichen Sorgen zu machen. Den Eltern so gut helfen wie möglich. Eigene Gefühle mit sich selbst ausmachen. Funktionieren, Harmonie, Anpassen an Bedürfnisse anderer.
Äußere Faktoren
Umzug, Hochzeit steht bevor, Mann auf Geschäftsreise, Konflikt mit bester Freundin, schlechter Schlaf
Das Beispiel ist frei erfunden. In der Praxis kommen solche Fälle häufig vor, auch wenn Miriam jemand ist, der gerade besonders viel gleichzeitig um die Ohren hat.